Still Here, and Gone (in Arbeit)
Ausgangspunkt der Serie ist ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem mein Bruder beim Fahrradfahren von einem Taxi angefahren wurde. Er kehrte langsam ins Leben zurück, ohne wieder derjenige zu werden, den ich zuvor gekannt hatte. Über lange Zeit blieb kaum Raum, diesen Bruch wahrzunehmen, weil er vor allem Teil meines Alltags und meiner Verantwortung war.
Heute beschäftigt mich weniger, was meinem Bruder widerfahren ist, als die Frage, wie sich mit einem uneindeutigen Verlust weiterleben lässt. Fürsorge bedeutet häufig, zunächst zu handeln und die eigenen Gefühle zurückzustellen. Erst mit zeitlichem Abstand wurde für mich greifbar, dass etwas fortbestehen und gleichzeitig verloren sein kann.
Die Psychologin Pauline Boss beschreibt einen solchen Zustand als „ambiguous loss“ – einen Verlust, bei dem Anwesenheit und Abwesenheit nicht klar voneinander zu trennen sind. Die Serie bewegt sich in diesem Dazwischen: zwischen Nähe und Fremdheit, Loslassen und Verbundenbleiben.
Die Fotografien entstehen überwiegend auf dem Land nördlich von Berlin. In der natürlichen Umgebung begegne ich Verletzlichkeit und Widerstandskraft, Vergehen und Neubeginn auf unmittelbare Weise. Sie bietet mir einen Raum, mich dem anzunähern, was sich nur schwer direkt beschreiben lässt.