Noch da, und doch fort (in Arbeit)
Ausgangspunkt der Serie ist eine Erfahrung von Verlust und Veränderung, die mich seit vielen Jahren begleitet. Mein Bruder kehrte nach einem schweren Verkehrsunfall langsam ins Leben zurück, ohne wieder derjenige zu werden, den ich zuvor gekannt hatte. Über viele Jahre war diese Erfahrung nicht nur Erinnerung, sondern Teil meines Alltags und meiner Verantwortung. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand verändert sich mein Blick darauf.
Die Fotografien entstehen überwiegend auf dem Land. In der natürlichen Umgebung begegnen mir Verletzlichkeit, Vergehen und Neubeginn, Traum und Wirklichkeit, aber auch die Widerstandskraft des Lebendigen. Die Bilder erzählen nicht den Unfall und seine Folgen. Sie folgen vielmehr dem, was diese Erfahrung langfristig in meiner Wahrnehmung hinterlassen hat.
Mich beschäftigt heute weniger die Frage, was meinem Bruder widerfahren ist, als die Erfahrung, mit einem Verlust weiterzuleben, der kein vollständiger Verlust ist. Etwas kann fortbestehen und gleichzeitig verloren sein. Die Serie bewegt sich in diesem Dazwischen – zwischen Loslassen und Verbundenbleiben.